Freiflächenkonzeption
Das vorliegende Konzept wurde nach einer intensiven Vorbereitungsphase am 10. Juni 2005 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ergebnisse dieser Bürgerbeteiligung waren sehr ermutigend. Die Aufnahme der historischen Elemente, wie zum Beispiel der Schienen und Lichtmasten in ein Gestaltungskonzept fand deutliche Zustimmung.
Die Anregungen, insbesondere in Bezug auf die Berücksichtigung von ausreichenden Spielflächen für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen und von barrierefreien, sicheren Freiräumen, wurden eingearbeitet.
Belange der Sicherheit und Barrierefreiheit
Ein besonderes Augenmerk ist bereits bei der städtebaulichen Grundkonzeption auf die Sicherung von sozialen Qualitäten, auf die Kriminalprävention, das Sicherheitsempfinden von Frauen und das Sicherheitsgefühl der Wohnbevölkerung und auf die selbstständige Nutzbarkeit des öffentlichen Raums durch Menschen mit Behinderungen gerichtet worden. Das vorliegende Konzept wurde in einem Arbeitskreis mit verschiedenen Fachvertretern diskutiert und bezieht wesentliche Punkte der für die Stadt Heidelberg gültigen Vorgaben ein:
Es schafft eine transparente und übersichtliche Raumstruktur durch sinnvolle Sicht- und Wegebezüge. Die Planung fördert die Bündelung von belebenden Funktionen, insbesondere Verkehrsflächen für Fußgänger und Radfahrer, Straßenbahn- und Bushaltestellen sowie von Aufenthaltsbereichen. Wege und Rampen werden nach dem Grundsatz der barrierefreien Gestaltung konzipiert. Die Gebäudeformen erhalten im Bereich der Promenade einen Sockel. Dadurch können sich Wohn- und Aufenthaltsbereiche zum öffentlichen Raum orientieren und soziale Kontrolle ermöglichen, ohne selbst eingesehen zu werden.
Es gibt eine eindeutige Trennung zwischen öffentlichen und privaten Bereichen durch klare Baufeldabgrenzungen. Grünflächen, Spiel- und Aufenthaltsbereiche sind in Sicht- und Rufweite zu frequentierten und bewohnten Bereichen, z.B. auf den Terrassenplätzen, dem Langen Anger und der Promenade, angeordnet. Die Bepflanzung der Grünflächen wird zum Teil raumbildend eingesetzt. Es entstehen dennoch einsehbare, übersichtliche und sichere Räume.
Das Lichtkonzept beleuchtet in erster Linie die Aufenthalts- und Gehbereiche. Der Straßenraum erhält eine ausreichende Grundbeleuchtung, wird aber weitestgehend von den Fahrzeugen selber beleuchtet . Im Wegenetz gibt es ausreichende Ausweichmöglichkeiten und Alternativrouten zur Vermeidung von Engstellen und Dunkelräumen. Damit sind die Vorraussetzungen für einen sicheren Stadtteil weitestgehend geschaffen. Über die tatsächliche Sicherheit, Nutzbarkeit und das subjektive Sicherheitsgefühl entscheidet jedoch maßgeblich die Qualität der Umsetzung, der im weiteren Planungsgang eine hohe Aufmerksamkeit zu widmen ist.
Quartiersaufbau
Ziel des Quartiersaufbaus ist ein Modell einer „identitätsstiftenden Quartiersarbeit“ als flächendeckendem System eines Unterstützungsmanagements zur Entstehung des sozialen und kulturellen Lebens in der Bahnstadt unter Mitwirkung der Bewohner an der Gestaltung ihrer Umwelt. Getragen wird dieser Prozess durch einen integrativen Ansatz, der die Aspekte Sozial- und Wirtschaftsförderung, soziale Befähigung der Bewohner und bauliche Stadtentwicklung berücksichtigt. Kerngedanke des Quartiersaufbaus ist die Förderung von Eigeninitiativen für ein gesellschaftliches Miteinander in einem sozial und kulturell aktiven Stadtteil.
Dabei muss von Anfang an das Engagement der Bewohner/innen und die Bildung eines positiven Images als positivem Fremd- und Selbstbild für den neuen Stadtteil gesteuert und gestärkt werden. Es geht um die Anregung zur Selbsthilfe (Empowerment), außerdem um die Entwicklung von Verantwortung für das Stadtquartier und langfristig um die Schaffung von selbsttragenden Bewohnerorganisationen.
Bei einem Quartiersmanagement für die Bahnstadt geht es vor allem darum, parallel zum Bau von Straßen, Häusern und Plätzen, eine tragfähige „soziale Alltagskultur“ aufzubauen. Als tragfähig kann eine Alltagskultur bezeichnet werden, wenn sie in der Lage ist, auch Menschen aus unterschiedlichen Milieus zu integrieren oder in schwierigen Lebenslagen mitzutragen, die Interessensvertretung selbst wahrzunehmen, (Ziel-)Konflikte selbst zu regulieren sowie sozial und kulturell selbst aktiv zu werden. Die Bildung von Nachbarschaften und ein Identitätsgefühl sollen eingeleitet werden, um den Menschen das Einleben und das Sich-Zurechtfinden in einer neuen Umgebung ohne gewachsene Strukturen zu erleichtern. Erst dadurch werden letztlich die Voraussetzungen für ein lebendiges Gemeinwesen geschaffen sowie die Akzeptanz und das „Sich-Wohlfühlen“ in dem neuen Stadtteil erhöht.
Ein Beispiel für ein entsprechend richtungsweisendes Vorgehen ist der durch ein Sozialarbeiter-Team der FH-Freiburg unter der Leitung von Prof. Konrad Maier begleitete Quartiersaufbau in Freiburg Rieselfeld. In einem ersten Schritt wurde dort bei Baubeginn in einem Container eine Anlauf- und Beratungsstelle für die „Pionier-Haushalte“ mit der treffenden Bezeichnung K.I.O.S.K. (Kontakt, Information, Organisation, Selbsthilfe, Kultur) eingerichtet. Übergeordnetes Ziel des Quartiersmanagements in Freiburg war die Förderung von Eigeninitiativen für ein soziales Miteinander in einem sozial und kulturell aktiven Stadtteil. Das Team war vor allem bestrebt, von Anfang an das Engagement der Bewohner/ innen und die Bildung eines positiven Images für den neuen Stadtteil zu stärken. Die Bildung von überforderten oder in sich abgegrenzten Nachbarschaften (Soziale Insellagen) sollte durch frühzeitiges Gegensteuern vermieden werden.
Vor allem war es erforderlich, das Verantwortungs- und Zugehörigkeitsgefühl unabhängig vom sozialen Status oder der kulturellen Herkunft zu stärken. Dazu wurden Aktivitäten inszeniert, die Bildung von Tauschbörsen und Selbsthilfegruppen und Trägerorganisationen angeregt, ein Mittagstisch eingerichtet sowie Meetings und Stadtteilfeste, Konzerte, Vernissagen u. ä. organisiert. Die Kreativität und Mitsprache der Bewohner/innen bei der Gestaltung des Stadtteils (Vorgärten, öffentlicher Raum) wurde angeregt. Eine effiziente Interessensvertretung, die Artikulation der unterschiedlichen Bedürfnisse, die barrierefreie Informationsverbreitung sowie die Selbstregulierung bei (Ziel-)Konflikten waren weitere Anliegen.