Plätze, Parks und Promenade
Das vorliegende Konzept wurde nach einer intensiven Vorbereitungsphase am 10. Juni 2005 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ergebnisse dieser Bürgerbeteiligung waren sehr ermutigend.
Die Aufnahme der historischen Elemente, wie zum Beispiel der Schienen und Lichtmasten in ein Gestaltungskonzept fand deutliche Zustimmung.
Die Anregungen, insbesondere in Bezug auf die Berücksichtigung von ausreichenden Spielflächen für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen und von barrierefreien, sicheren Freiräumen, wurden eingearbeitet.
Konzept
gleise - schotter - signale - brücken - stellwerk - weichen - schwellen - trockenheit - hitze - extremvegetation - oberleitungbahnsteig - bahnübergang - lagerschuppen - bahnhof - …buntsandstein - neckar - schloss - deutsche romantik - philosophenweg - wärmeinsel - universität -
lineare und flächensysteme - internationale Beziehungen - historische dichte - neuer stadtteil - land + stadt - identität - ökologie und urbanität - …
Der Name Bahnstadt reflektiert verschiedene Assoziationen. Mit der „Bahn“ einerseits und der „Stadt“ andererseits stehen zwei Referenzen zur Verfügung, die an diesem Standort besondere Bedeutung erlangen können. Die Idee für das Konzept ist es,diese beiden Assoziationsräume zusammen zu fügen und aus ihnen die Gestaltungsprinzipien für die öffentlichen Räume der Bahnstadt zu entwickeln.
BAHN
Wir denken an die Faszination, die von den linearen Schienensystemen ausgeht und den massenhaften Umschlag von transportierten Gütern, an Abschied und Wiedersehen, Reisen in ferne Städte und Länder und immer wieder auch das Mitbringen von Eindrücken, Erinnerungen und Emotionen, das Entdecken anderer Kulturen, ihrer Geräusche, Farben und Klimate . Die pure Existenz der Schienen und Lichtmasten vermag internationale Verbindungen herzustellen, symbolisiert Weite und Unendlichkeit und erweitert so die zukünftigen Freiräume in unserer Vorstellung weit über ihre physischen Grenzen hinaus.
STADT
Wir denken an urbane Dichte und die Vorzüge der Stadt. Doch diese Erwartung ist insbesondere mit der historischen Stadt verknüpft. Heidelberg ist ein historisch dichter Raum, dessen Bild mit Schloss, Altstadt, Neckar und den Hängen des Odenwaldes fast weltweit lesbar ist. Die Bedeutung des historischen Baumaterials der Stadt, des Neckartaler Sandsteins, verdient in diesem Bild besondere Beachtung.
Gleisanlagen, Schotter und Bodenaufbauten
Innerhalb der vorgefundenen Gleisstrukturen und aus ihnen heraus entwickelt sich eine räumlich lineare Prägung für die Bereiche Promenade, Langer Anger und Zollhofgarten. Den noch vorhandenen Gleisen wird nicht nur eine dekorative, sondern vor allem eine strukturell und technisch bedeutsame Rolle zugeordnet. Die Profile der Gleise eignen sich hervorragend als Kantensteine, bzw. Schwellen bei Materialwechseln und funktionalen Trennungen.
Neue Kantensteine können in diesen Bereichen weitgehend vermieden werden. Die dabei mögliche Kostenersparnis kann für höherwertige Ausstattungen und Flächengestaltungen verwendet werden. Das gilt in gleicher Weise für die Schotter der ehemaligen Gleisanlagen. Sie sind ein hervorragender Unterbau in Bezug auf Standsicherheit und das Erhalten einer deutlich wasserdurchlässigen Bodenschichtung und sollen daher weitgehend am Standort belassen werden. Das gilt insbesondere für die Bereiche der Promenade und des Langen Angers. Aufgrund ihrer Belastung mit Teerölen werden die Holzschwellen einiger Gleise und damit, je nach Schwere der Belastung, auch der darunter liegende Schotter nicht am Standort belassen, um jedes Risiko, beispielsweise für den Fall von Nutzungsänderungen oder aktualisierter wissenschaftlicher Erkenntnisse, auszuschließen.
Vegetation
Die bestehenden Grünstrukturen und ihre Artenzusammensetzung sollen erhalten und zum grundlegenden Merkmal der zukünftigen Freiräume weiter entwickelt werden.
Oberflächen
Die das Stadtbild prägende Farbe - rötlich durch den roten Buntsandstein - wird Leitfarbe der Oberflächen im öffentlichen Raum. Damit soll der neue Stadtteil stärker in den Kontext der Stadt Heidelberg eingebunden werden.
Neben der bereits im Rahmenplan angelegten stadträumlichen Figur soll das weniger durch die zu erwartende Architektursprache geschehen. Die entscheidende Verbindung zwischen der gewachsenen und der entstehenden Stadt soll der öffentliche Raum herstellen. Der Ansatz besteht darin, den rot-braunen Farbton in die mineralischen Oberflächenmaterialien einzumischen. Dafür soll ein neuer großformatiger Werkstein (ohne Armierung) für die „harten“Oberflächen und ein besonderes Mischungsverhältnis für die wassergebundenen Decken und auch für den Feinschotter in den Vegetationsbereichen entwickelt werden. Da der Freiraum tagtäglich von vielen genutzt wird, könnte es gelingen, dem Ort durch seine Materialität und Farbigkeit ein hohes Maß an Individualität - gleichzeitig aber auch Gemeinsamkeit mit der historischen Stadt - zu verleihen.
PROMENADE
Im Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs wird die historische Gleisanlage zu einer „Promenade“ transformiert.
LINEARER PARK
Als linearer öffentlicher Park integriert die Promenade vielfältige Nutzungen und übernimmt eine Stadtteil übergreifende Vernetzungsfunktion. Sie hat einen offenen Charakter in die Weite des Pfaffengrunder Feldes und setzt sich nach Westen und Osten auf den ehemaligen Bahntrassen fort.
Themen sind Weitblick, Fernweh, Verwurzelung und Offenheit.
Promenieren, Joggen, Radfahren, in der Sonne liegen, Spiel und Picknick
Die Bepflanzung, zum Beispiel mit Salbei, Lavendel, Nachtkerze, Königskerzen, Rosen o. a. soll mit ihren Düften und Farben die Sinne beflügeln.
Dimensionen
Frei angeordnete Baumgruppen, die wie „Kurzzüge“ im Raum liegen, sollen Schatten spenden und den Raum visuell auch in seiner Fernwirkung strukturieren. Dafür werden die teils sehr wertvollen Bestandsbäume, wie Eichen und Kiefern, selbstverständlich einbezogen. Wesentlich ist die übergeordnete Gliederung der Promenade durch die Baumstrukturen der Terrassen in vier große Abschnitte. Die immerhin 1,6 Kilometer lange Promenade erhält dadurch einen menschlichen Maßstab, ohne dabei ihre einzigartige Großzügigkeit zu verlieren.
Ein ca. sechs Meter breiter Weg verläuft in den äußersten Gleisen, teilweise an der Kante der Terrasse, teilweise direkt entlang der Gebäude. Mal öffnet, mal schließt der Weg den Raum und verwandelt die Bahnanlage trotz ihrer Länge zu einer Gartenanlage, die auf einem abwechslungsreichen Spaziergang erlebbar wird.
Das gesamte Gebiet ist daher für Radfahrer und Fußgänger bequem zu durchqueren und auch für gehbehinderte Personen und Rollstuhlfahrer bestens geeignet. Bänke werden regelmäßig vorgesehen, genauso Abfalleimer, Fahrradabstellmöglichkeiten, Notruftelefone und schließlich öffentliche Toiletten. Um unnötige Möblierungen zu vermeiden, könnten letztere in die historischen Schalt- und Stellhäuschen integriert werden, gekoppelt mit dort möglichen Nutzungen.
Baumhallen
Als baumbestandene Räume bieten die Eppelheimer, die Pfaffengrunder und die Schwetzinger Terrasse im Winter einen angenehm besetzten und im Sommer einen angenehm schattierten Ort, der vielfältigen Nutzungen offen stehen kann.
Vorbilder sind insbesondere die aus dem frankophonen Raum bekannten Vorbilder, wie z. B. der Jardin de Luxembourgh in Paris. Diese Art großartiger Freiräume gab es früher sehr viel im deutschen Raum. Sie sind aber nach dem II. Weltkrieg im Zuge der Funktionalisierung des öffentlichen Raumes fast vollständig verschwunden.
Im Überschneidungsbereich mit der Promenade wird durch die Attraktivität des Baumdaches ein attraktiver Aufenthaltsbereich für Besucher entstehen. Großzügige Spiel- und Aufenthaltsflächen erweitern das Nutzungsspektrum. Es besteht die Möglichkeit, dass, wenn das ehemalige Stellhäuschen auf der Promenade ein Cafe oder ähnliche Nutzung erhalten sollte, der Raum erheblich an Bedeutung gewinnen kann.
Die Pfaffengrunder Terrasse im Zentrum schließlich spielt eine zentrale Rolle für den neuen Stadtteil. Sie setzt den offen konzipierten Raum des Gadamer Platzes funktional und räumlich bis zur Promenade fort, ist damit die größte und eindrucksvollste städtebauliche Zäsur und profitiert von der Nutzungsdichte im zukünftigen Zentrum der Bahnstadt. Sie knüpft damit auch an die Einkaufsbereiche der Grünen Meile an und liegt günstig zum ÖPNV.
Die Nutzungsmischung, die zu beiden Seiten der Terrasse vorgesehen ist, komplettiert eine Kontinuität des Versorgungsangebots von der Grünen Meile bis zu den Wohnterrassen mit einer im Erdgeschoss angeordneten Kindertagesstätte. Dadurch sind alle Voraussetzungen für einen urban belebten Stadtraum gegeben. Themen sind neben Kinderspiel, Flanieren und Treffs, das Ermöglichen einer Aussengastronomie und kleinerer Veranstaltungen.Hier mischen sich Park und Stadt.
LANGER ANGER
Öffentliche Gärten
Zwischen Wohnterrassen und dicht bebauten zentralen Bereichen werden die Freiräume in den historischen Gleisstrukturen zu öffentlichen Gärten verdichtet.
Im Wechsel zur Promenade stehen im Langen Anger die wohnungs- und arbeitsplatznahen Nutzungen durch die zukünftigen Bewohner und Beschäftigten im Vordergrund. Daher sollen die Vegetationsstrukturen deutlich dichter entwickelt werden, um vor der parallel im Langen Anger verlaufenden Straße stärker geschützte und intime Aufenthaltsbereiche zu erlangen - die Vegetationsstrukturen verwandeln sich zu öffentlichen Gärten.
Nach Süden werden diese Anlagen eher offen gehalten, um eine soziale Kontrolle durch die Bewohner der Wohnterrassen und die Passanten auf der an der Bebauung verlaufenden Erschließungsgasse zu ermöglichen. Wichtiger sichtbarer Bestandteil des Langen Angers ist ein kontinuierliches System von Wasserbecken, die dem Raum seine Stimmung und besondere Ästhetik verleihen. Das Wasser soll über Düsen und Sprinkler in Bewegung gehalten werden und über die dabei entstehenden Geräusche eine besondere akustische Anreicherung des Langen Anger bewirken. Hier sollen verschiedene Wasserpflanzen wie u.a. Seerosen, Pfeilkraut, Iris, Binsen und Röhricht wachsen, aber auch Amphibien und Fische einen Lebensraum finden.
Zusammenhänge
Insbesondere mit den Wasserbecken soll Schönes mit Nützlichem verbunden werden. Über die Wasserbecken werden die Regenwasser der angrenzenden Bebauungen an der Oberfläche gesammelt und dann in Zisternen und Versickerungsflächen weitergeleitet. Zwar wird ein bedeutender Anteil des Wassers durchschnittlicher Regenereignisse von den fast komplett begrünten Dachoberflächen absorbiert, bzw. auf den eigenen Grundstücksflächen versickert. Mindestens 50% sollen jedoch im öffentlichen Raum kontrolliert zurückgehalten oder versickert werden können. Die Wasserbecken können über ihre natürliche Schwankung der Wasserhöhe (Verdunstung) kleinere Regenmengen aufnehmen. Bei lang anhaltenden und Starkregenereignissen fließt das Wasser über Überläufe jedoch schnell weiter in eine entsprechende Zisternenanlage.
In regelmäßigen Abständen sind Spielbereiche vorgesehen, die von Kleinkindspielbereichen innerhalb der Wohnbereiche ergänzt werden. Grundsätzlich werden aber die gesamte Promenade und die Terrassenplätze als bespielbare Freianlage entwickelt. Die horizontale Durchgängigkeit der Anlage ohne aufgesetzte Hügel oder auch überdimensionierte Spielgeräte steht hier im Vordergrund.
Die ausgewiesenen und ausgestatteten Spielflächen betragen rund 15.000 m² brutto, hinzu kommen bespielbare Platzflächen, autofreie Flächen in den Stichstraßen, Spielflächen innerhalb der Wohnbebauung und der öffentlichen Schule mit zusammen rund 19.000 m² brutto.Die geschätzte Anzahl der Kinder zwischen 1 und 17 Jahren beträgt 930. Den Zielsetzungen der Stadt Heidelberg entsprechend sind pro Kind etwa 11 m² netto anzusetzen. Die damit geforderten 10.300 m² netto werden im vorliegenden Konzept erfüllt. Neben den Spielflächen in den Innenhöfen sind Spielflächen auf der gesamten Länge der Promenade verteilt. Die Zuordnung der Spielflächen im Nahbereich der Wohnungen ermöglicht eine sehr gute Einsehbarkeit der Flächen.
Weitere, größere Spielflächen befinden sich im Zollhofgarten, an der Promenade in Richtung Wohngebiet am Diebsweg und östlich der Speyerer Straße auf der Zu- bzw. Auslaufstrecke des ehemaligen Rangierbahnhofes . Diese Bereiche sind prädestiniert für lärmintensive Spielarten, z.B. Skateranlagen und Bolzplätze. Eine Besonderheit stellt die überdachte Spielfläche am Spitzen Eck dar, welche vielseitig genutzt und in Teilbereichen geschlossen werden kann.
Wichtiger als die starre Ausweisung von Spielflächen erscheint die durchgängige Bespielbarkeit der zur Verfügung stehenden Flächen, deren Vernetzung und Zuordnung zu der Wohnbebauung.
Belange der Sicherheit und Barrierefreiheit
Ein besonderes Augenmerk ist bereits bei der städtebaulichen Grundkonzeption auf die Sicherung von sozialen Qualitäten, auf die Kriminalprävention, das Sicherheitsempfinden von Frauen und das Sicherheitsgefühl der Wohnbevölkerung und auf die selbstständige Nutzbarkeit des öffentlichen Raums durch Menschen mit Behinderungen gerichtet worden.Das vorliegende Konzept wurde in einem Arbeitskreis mit verschiedenen Fachvertretern diskutiert und bezieht wesentliche Punkte der für die Stadt Heidelberg gültigen Vorgaben ein:
Es schafft eine transparente und übersichtliche Raumstruktur durch sinnvolle Sicht- und Wegebezüge. Die Planung fördert die Bündelung von belebenden Funktionen, insbesondere Verkehrsflächen für Fußgänger und Radfahrer, Straßenbahn- und Bushaltestellen sowie von Aufenthaltsbereichen. Wege und Rampen werden nach dem Grundsatz der barrierefreien Gestaltung konzipiert. Die Gebäudeformen erhalten im Bereich der Promenade einen Sockel. Dadurch können sich Wohn- und Aufenthaltsbereiche zum öffentlichen Raum orientieren und soziale Kontrolle ermöglichen, ohne selbst eingesehen zu werden. Es gibt eine eindeutige Trennung zwischen öffentlichen und privaten Bereichen durch klare Baufeldabgrenzungen.
Grünflächen, Spiel- und Aufenthaltsbereiche sind in Sicht- und Rufweite zu frequentierten und bewohnten Bereichen, z.B. auf den Terrassenplätzen, dem Langen Anger und der Promenade, angeordnet. Die Bepflanzung der Grünflächen wird zum Teil raumbildend eingesetzt. Es entstehen dennoch einsehbare, übersichtliche und sichere Räume. Das Lichtkonzept beleuchtet in erster Linie die Aufenthalts- und
Gehbereiche. Der Straßenraum erhält eine ausreichende Grundbeleuchtung, wird aber weitestgehend von den Fahrzeugen selber beleuchtet . Im Wegenetz gibt es ausreichende Ausweichmöglichkeiten und Alternativrouten zur Vermeidung von Engstellen und Dunkelräumen.
Damit sind die Vorraussetzungen für einen sicheren Stadtteil weitestgehend geschaffen. Über die tatsächliche Sicherheit, Nutzbarkeit und das subjektive Sicherheitsgefühl entscheidet jedoch maßgeblich die Qualität der Umsetzung, der im weiteren Planungsgang eine hohe Aufmerksamkeit zu widmen ist.
Quartiersaufbau
Ziel des Quartiersaufbaus ist ein Modell einer „identitätsstiftenden Quartiersarbeit“ als flächendeckendem System eines Unterstützungsmanagements zur Entstehung des sozialen und kulturellen Lebens in der Bahnstadt unter Mitwirkung der Bewohner an der Gestaltung ihrer Umwelt.
Getragen wird dieser Prozess durch einen integrativen Ansatz, der die Aspekte Sozial- und Wirtschaftsförderung, soziale Befähigung der Bewohner und bauliche Stadtentwicklung berücksichtigt. Kerngedanke des Quartiersaufbaus ist die Förderung von Eigeninitiativen für ein gesellschaftliches Miteinander in einem sozial und kulturell aktiven Stadtteil. Dabei muss von Anfang an das Engagement der Bewohner/innen und die Bildung eines positiven Images als positivem Fremd- und Selbstbild für den neuen Stadtteil gesteuert und gestärkt werden. Es geht um die Anregung zur Selbsthilfe (Empowerment), außerdem um die Entwicklung von Verantwortung für das Stadtquartier und langfristig um die Schaffung von selbsttragenden Bewohnerorganisationen.
Bei einem Quartiersmanagement für die Bahnstadt geht es vor allem darum, parallel zum Bau von Straßen, Häusern und Plätzen, eine tragfähige „soziale Alltagskultur“ aufzubauen. Als tragfähig kann eine Alltagskultur bezeichnet werden, wenn sie in der Lage ist, auch Menschen aus unterschiedlichen Milieus zu integrieren oder in schwierigen Lebenslagen mitzutragen, die Interessensvertretung selbst wahrzunehmen, (Ziel-)Konflikte selbst zu regulieren sowie sozial und kulturell selbst aktiv zu werden. Die Bildung von Nachbarschaften und ein Identitätsgefühl sollen eingeleitet werden, um den Menschen das Einleben und das Sich-Zurechtfinden in einer neuen Umgebung ohne gewachsene Strukturen zu erleichtern. Erst dadurch werden letztlich die Voraussetzungen für ein lebendiges Gemeinwesen geschaffen sowie die Akzeptanz und das „Sich-Wohlfühlen“ in dem neuen Stadtteil erhöht.
Ein Beispiel für ein entsprechend richtungsweisendes Vorgehen ist der durch ein Sozialarbeiter-Team der FH-Freiburg unter der Leitung von Prof. Konrad Maier begleitete Quartiersaufbau in Freiburg Rieselfeld. In einem ersten Schritt wurde dort bei Baubeginn in einem Container eine Anlauf- und Beratungsstelle für die „Pionier-Haushalte“ mit der treffenden Bezeichnung K.I.O.S.K. (Kontakt, Information, Organisation, Selbsthilfe, Kultur) eingerichtet. Übergeordnetes Ziel des Quartiersmanagements in Freiburg war die Förderung von Eigeninitiativen für ein soziales Miteinander in einem sozial und kulturell aktiven Stadtteil. Das Team war vor allem bestrebt, von Anfang an das Engagement der Bewohner/innen und die Bildung eines positiven Images für den neuen Stadtteil zu stärken. Die Bildung von überforderten oder in sich abgegrenzten Nachbarschaften (Soziale Insellagen) sollte durch frühzeitiges Gegensteuern vermieden werden. Vor allem war es erforderlich, das Verantwortungs- und Zugehörigkeitsgefühl unabhängig vom sozialen Status oder der kulturellen Herkunft zu stärken.
Dazu wurden Aktivitäten inszeniert, die Bildung von Tauschbörsen und Selbsthilfegruppen und Trägerorganisationen angeregt, ein Mittagstisch eingerichtet sowie Meetings und Stadtteilfeste, Konzerte, Vernissagen u. ä. organisiert. Die Kreativität und Mitsprache der Bewohner/innen bei der Gestaltung des Stadtteils (Vorgärten, öffentlicher Raum) wurde angeregt. Eine effiziente Interessensvertretung, die Artikulation der unterschiedlichen Bedürfnisse, die barrierefreie Informationsverbreitung sowie die Selbstregulierung bei (Ziel-)Konflikten waren weitere Anliegen.













