Baugruppen & Baugemeinschaften

Warum Baugruppen oder Baugemeinschaften?

Wohnen im Eigentum für alle
Der allgemeine Trend geht zum selbstgenutzten Wohnungseigentum. Es ist eine Säule der optimalen Alterssicherung. Während die Wohnungseigentumsquote in Irland bei über 80 % und in Schweden bei über 60 % liegt, erreicht sie in Baden-Württemberg knapp 50 %. Das entscheidende Hindernis sind, wie bei Mietwohnungen, die hohen Grundstücks- und Baukosten vor allem in den Verdichtungsgebieten und Ballungsräumen. Helfen kann hier das Land durch Programme und die Kommune durch Grundstücksverbilligung und Zuschüsse oder verbilligte Darlehn in besonderen Fällen. Nur so ist es möglich, Menschen mit geringerem Einkommen und Familien mit Kindern vor Ort zu binden und ihnen die Chance zu geben, nicht als Pendler an den Rand gedrückt zu werden.

Soziale Mischung
Einer der Wege zum Wohnungseigentum oder einer Mietwohnung ist die Bildung von Baugemeinschaften zur Errichtung von Mehrfamilienhäusern oder einer Gruppe von Ein- und Zweifamilienhäusern. Hier können sich auch Privatleute und gewerbliche Akteure zusammenfinden, um gemeinsam zu planen und zu bauen. Baugemeinschaften sind gut zur Umsetzung kleinteiliger Nutzungsmischungen geeignet. Das kann beispielweise eine Mischung von Miet- und Eigentumswohnungen sein. Vielfach sind Mitglieder einer Baugruppe sowohl Bauherren einer Wohnung wie einer Gewerbefläche.

Preisgünstig bauen
Bei der Abwicklung über Bauträger entstehen erhebliche Kosten wegen der Vorfinanzierung des Grundstückskaufpreises, des eigenen Verwaltungs- und Akquirierungsaufwandes und der Notwendigkeit, Erträge erzielen zu müssen. Eine Baugruppe im Gebiet Lorettotal in Tübingen schätzt, dass durch das selbstbestimmte Bauen im Vergleich zur Erstellung durch einen Bauträger ca. 35 – 40 % Kostenersparnis erzielt wurden. Für eine Familie mit Kindern eine gewaltige Einsparung oder überhaupt erst die Möglichkeit zu bauen. Nahezu alle Baugemeinschaften sind in der Tübinger Südstadt unter ihrer anfänglichen Kostenschätzung geblieben.

Netzwerke „privater BauherrInnen“
Die Baugruppen sind von Anfang an nicht anonym wie ein Bauträger, der für mögliche zukünftige BauherrInnen baut. Sie haben von Anfang an maßgeblichen Einfluss und Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Planung, Gestaltung und Ausstattung des Gebäudes und der Wohnung. Man lernt frühzeitig Miteigentümer und Nachbarn kennen. Es müssen zwar immer wieder Fachleute wie Architekten, Ingenieure oder ein Moderator u.a. hinzugezogen werden, aber es entstehen keine teuren Begleitkosten durch nicht notwendige Dienstleistungen. Die Mitglieder der Gemeinschaft selbst entscheiden, wer mit ihnen baut. Bei einer homogenen Gruppe werden auch beim Bauen nicht ausbleibende Probleme einvernehmlich gelöst. Das Zusammenleben und –wirken wird vom Start an geübt.

Diffenzierte Angebote

Baugemeinschaften sind, anders als konventionelle Bauträger, in der Lage, früh und individuell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der BauherrInnen einzugehen. Bereits während der konzeptionellen Phase entsteht so innerhalb des Stadtteils ein differenziertes Angebot für die Nutzer: z.B. die „ökologische Baugemeinschaft“, die „kostengünstige“ Baugemeinschaft, die „Holzbaugemeinschaft“, die „Altenwohngemeinschaft“, das „Mehrgenerationenhaus“ u.a.. Viele verschiedene Wohnformen, Ansprüche und somit auch Gebäude entstehen nebeneinander. Soziale Verflechtungen sind beim Einzug schon ein Stück gewachsen. Ein Stück Stadt entsteht, das vom Gestaltungswillen seiner Bewohner getragen wird. Aber: Jeder Stadtteil sieht anders aus, weil die Bewohnerkonstellation sich ändert. Es ist ein Stadtteil für Kinder, für Singles, für ältere Menschen, weil sich alle einbringen können und entsprechende Räume und Freiflächen eingerichtet werden. So bildet sich Identität und Aneignung von Stadt.

Dieser Beitrag ist weitgehend der Broschüre des Wirtschaftsministeriums BW „Baugemeinschaften – Ein moderner Weg zum Wohnungseigentum „ entnommen.